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Herzgeflüster, Portraitfotografie

Wie ich mit Selbstakzeptanz meine Beziehung gerettet habe.

"Und doch war alles anders. Das Zusammenleben war alles andere als entspannt. Viele Tage endeten mit Frust und Zweifeln."

Vor einem knappen Jahr stand meine Beziehung kurz vor der Trennung. Zu viel Streit, zu viele Konflikte, alles zu eingefahren. Dabei sollte doch eigentlich alles erst anfangen. Nach unserer Fernbeziehung waren wir endlich zusammengezogen, hatten nach dem Studium angefangen zu arbeiten und hätten einfach nur unsere gemeinsame Zeit genießen können. Und doch war alles anders. Das Zusammenleben war alles andere als entspannt. Viele Tage endeten mit Frust und Zweifeln. Immer und immer wieder haben wir uns gegenseitig versprochen, etwas zu ändern, aber es wurde nicht besser. Bis mein Freund an einem Tag seine Sachen packte und gehen wollte, weil er keine gemeinsame Zukunft mehr sah. Und auch ich war kurz davor aufzugeben. Trotzdem konnte ich ihn davon überzeugen, zu bleiben und uns eine letzte Chance zu geben, wusste aber auch, dass was passieren musste, wenn ich ihn nicht verlieren wollte.

Also habe ich über alles nachgedacht: über ihn, über mich, über uns, über die Dinge, die immer wieder zum Streit geführt haben und ich habe nach den Ursachen gesucht. Eine entscheidende Frage, die ich mir gestellt habe, war: Glaube ich, dass es mir mit jemand anderem besser gehen würde?

Unabhängig von meinen Gefühlen zu ihm war meine Antwort: Nein!
Denn ich wusste eigentlich schon länger, dass das „Grundproblem“ bei mir selbst lag. In unserer gemeinsamen Zeit hat er sich unglaublich entwickelt und vieles von mir angenommen. Ich für meinen Teil war aber irgendwie stehengeblieben. Auf meinen Standpunkten, in meinen Gedanken- und Verhaltensmustern. Deswegen haben auch immer die gleichen Situationen zum Streit geführt. Ich konnte seine Sichtweise nicht akzeptieren, aber warum nicht? Was war falsch an seiner Art, Dinge zu tun? Nichts, aber ich hätte es anders gemacht. Aber warum? Weil ich es so gelernt hatte, weil es meine Sicht der Dinge war. Dachte ich.

Ich habe angefangen uns, aber vor allem mich, zu analysieren und meine Gedanken aufzuschreiben.

Wer bin ich? Was macht mich aus?

Eine ganz wichtige Erkenntnis war für mich und dadurch auch für unsere Beziehung, dass ich oft Entscheidungen getroffen hatte, die ich zwar genau so meinte, die ich aber selbst nicht akzeptierte und mit denen ich aus irgendeine Grund unzufrieden war, was ich wiederum auf meinen Freund projizierte.

Immer und immer wieder habe ich ihm Vorwürfe gemacht, weil er abends raus wollte. Freunde treffen, was man halt so macht. Manchmal bin ich mitgegangen, oft bin ich Zuhause geblieben, weil das einfach nicht „mein Ding“ ist. Für ihn war das ok, er hat es akzeptiert, nicht hinterfragt und nicht kritisiert. Ich im Gegenzug saß frustriert auf der Couch und habe mich gefragt, warum er geht und warum ich nicht einfach mitgehen und Spaß haben kann. Heute stelle ich (mir) diese Fragen nicht mehr oder zumindest nicht mehr vorwurfsvoll, sondern weiß, dass er gerne ab und an unter Leuten ist und das als Ausgleich braucht und dass ich eben nicht so bin und dass das ok ist. Ich habe es akzeptiert. Damals habe ich mich in diese negativen Gedanken reingesteigert und ihm Vorwürfe gemacht, weil er mich allein lässt, obwohl er weiß, dass ich meinen Abend gerne anders verbringe. Aber so wenig, wie er mich zwingt, ihn zu begleiten, kann ich ihn zwingen, jeden Abend zuhause zu bleiben. Das würde uns beide auch nicht glücklich machen.

Aber warum bin ich so, wie ich bin und was hat mich dazu werden lassen?

Um diese Frage zu beantworten bin ich beim Thema „Introversion“ gelandet. Es gibt eben Menschen, die gerne andere Menschen um sich haben und das sogar brauchen, so wie mein Freund und es gibt Menschen, die sich oft selbst schon genug sind, so wie mich. Ein Schlüsselsatz war für mich: „Introvertierte Menschen sind wie Akkus, die Ruhe brauchen, um ihre Energie wieder aufzuladen. Extrovertierte Menschen sind wie Windräder, die Antrieb von außen brauchen.“ Wie einfach, wie logisch, wie wertfrei, wie treffend und wie heilend!

Für mich war das die Antwort auf die Frage, warum ich so bin, wie ich bin. Ich habe den Satz sofort verinnerlicht und siehe da: ich konnte es einfach akzeptieren. Mich akzeptieren. Meine Entscheidung akzeptieren. Und am Ende meine Selbstakzeptanz auch auf ihn projizieren. Ohne weitere Worte, nur indem ich mich auf mich selbst konzentriert und mich selbst angenommen habe. Heute bin ich mir tatsächlich genug, nutze meine Ich-Zeit bewusst und freue mich, wenn mein Freund gut gelaunt heimkommt und von seinem Abend erzählt. Denn auch ihm merkt man an, dass sich für ihn was verändert hat. Er kann ohne schlechtes Gewissen seinem Hobby nachgehen und mit mir teilen. Außerdem ist er wieder gern zuhause. Gut für mich, denn so geht er seltener weg oder kommt früher heim und wir haben beide was davon.

Die Antwort auf die Frage, was hat mich dazu werden lassen, konnte ich größtenteils bei meiner Familie bzw. meinen Eltern beantworten. Als ich meiner Mutter meine Gedanken und Erkenntnisse offenbart habe, fragte sie mich, ob ich mich da nicht verstellen würde, wenn ich ihn einfach ziehen lassen würde und mich quasi füge und ob es nicht schlecht für uns wäre, wenn er immer allein ausgehen würde. Sie hatte nicht verstanden, dass ich mich viel mehr verstellte, wenn ich mich an so einem Abend in eine Bar quälte, obwohl mir viel mehr nach Ruhe ist und dass das zu viel mehr Konflikten führen würde. Aber für sie ist Ausgehen eben das, was man in unserem Alter macht und wenn man da nicht mitzieht, ist man Außenseiter. Das sind Gedankenmuster, die ich ähnlich immer wieder erkenne, mit denen ich aufgewachsen bin, die ich übernommen habe und die vermeintlich richtig sind. Heute weiß ich aber, dass es auch andere Wege gibt, mit gewissen Dingen umzugehen und das jeder für sich selbst rausfinden muss, welcher Weg gut für sie oder ihn ist und dass es wichtig ist, sich von Schemata zu lösen, um zu wachsen und mit sich selbst ins Reine zu kommen.

Jeder sollte sich in schwierigen Momenten auf sich selbst besinnen und erstmal klar über das eigene Sein werden. Denn nur, wer sich selbst versteht und annimmt, kann auch andere Menschen annehmen, wie sie sind. Wir dürfen unser Glück nicht von anderen abhängig machen, sondern müssen es in uns selbst finden. Oft sind es unsere Verhaltens- und Gedankenmuster, mit denen wir uns selbst im Weg stehen. Wir sollten diese bewusst hinterfragen und entweder mit ganzem Herzen dafür einstehen oder sie ändern, weil sie nicht zu uns passen. Denn nur wer selbst mit sich zufrieden ist kann diese Zufriedenheit auch nach außen tragen.

Ich wünsche jedem, dass er lernt, sich selbst so zu akzeptieren, wie er ist und dass er dafür einsteht!

„Find out who you are – and do it on purpose!“ – Dolly Parton

Fragen an Dich,

Liebe Anni,
ich finde deinen Text beeindruckend, zu tiefst ehrlich und es hat mein Herz berührt. Zu lesen, wie du deine Denkweise verändert hast, nicht aufgegeben hast und angefangen hast neue Wege zu gehen, begeistert mich und ich glaube, dass dein Thema für viele Frauen hier relevant ist. Danke!

Wovon träumst du? Was wäre ein Wunsch von dir?

Ich träume davon, dass mehr Menschen anfangen umzudenken und dass sie (mich eingeschlossen) den Mut haben, sich von den „Normen“ unserer Gesellschaft zu lösen. Weniger Egoismus und mehr Rücksicht. Mehr Menschlichkeit, mehr Gefühl und mehr leben.

Was gibt dir in deinem Leben immer wieder Stärke?

Gespräche mit Menschen, die mir nahe stehen und die mich kennen und verstehen helfen mir in Situationen, in denen ich nicht mehr stark sein kann. Weinen reinigt. Und in der Ruhe und in mir selbst tanke ich wieder Kraft. Dafür gehe ich oft mit meiner Kamera raus in die Natur.

Wenn du an das Wort "Mut" denkst, was fällt dir dazu ein? Und wo fällt es dir schwer mutig zu sein?
Wie oben schon gesagt, finde ich es mutig, wenn man aus den Zwängen der Gesellschaft ausbricht und nicht das tut, was alle tun, nur, weil es das vermeintlich Richtige ist. Ich spüre auch diesen Drang dazu, traue mich aber nicht, mich zu lösen. Hier würde ich mir wünschen, mutiger zu sein.
Was wünscht du den Frauen dort draußen?

Ich wünsche allen Frauen, dass sich selbst so akzeptieren können, wie sie sind und dass sie zu sich stehen. Dass sie sich selbst kennen, lieben und vertrauen können.

Ayleen – Wie ich gelernt habe für Dankbarkeit in meinem Herzen Raum zu schaffen

Fotografie – Der Spiegel unserer Seelen

Wie alles begann….